(Buchauszug)
Die Flammen schlugen wild und ungezügelt um sich, gierig nach allem greifend, was sich in ihre grausamen, heißlodernden Fänge begab. Das Schattenspiel, welches von den wild zuckenden Feuerteufeln ausging, tauchte den kleinen Raum in ein groteskes, skurriles Schattenspiel.
Die kleine, schmale Schneide des Dolches glühte unter der unbändigen Hitze des Feuers, während sie langsam - und mit Bedacht - gedreht wurde.
Plötzlich wurde die Waffe emporgehoben. Ein leichter, kühler Luftzug wehte durch das offene Fenster in den kleinen Raum und brachte die immer noch feurig lodernde Klinge zum aufleuchten. Mit einer langsamen, präzisen Bewegung wurde sie mit Hilfe der langen Zange, an deren Ende sie sich befand, durch den Raum geführt. Von Zeit zu Zeit glimmte der heiße Stahl kurz auf, als würde weitaus mehr als nur die gnadenlose Hitze durch seine scharfe Form fließen.
*PENG*
Noch bevor der Dolch den Amboss erreicht hatte, sauste der schwere Schmiedhammer mit unerbittlicher Härte auf ihn herab. Das Geräusch hallte laut, ja beinahe lästig durch die kleine Stube und verstummte dann wieder, so schnell wie es gekommen war. Nur das Knistern der Flammen war noch zu hören, als der Hammer für einem Moment auf der Schneide ruhte.
*PENG*
Ein zweiter Hammerschlag traf auf die scharfe Klinge der Waffe.
Prüfend runzelte McKenwood die Augenbraue, während die heißen Funken, welche bei dem Aufprall entstanden, leise durch die Luft segelten, um dann mit einem verärgerten Zischen auf dem kalten Boden zu verenden.
McKenwood war ein alter, weiser Mann von mittelgroßer und kräftiger Statur. Er hatte lichtes, graues Haar, welches ihm bis zu den Schultern reichte. Seine Augen waren trüb und blass, doch in diesem Moment schienen sie aus irgendeinem Grunde...zu glänzen. Seine Hände mochten mittlerweile alt und faltig sein, doch sie besaßen noch eine unglaubliche Kraft. Er trug ein altes, braunes Lederhemd und eine Hose aus dem selben Stoff und in ähnlicher Färbung, welche von einem schweren Nietengürtel mit Schwertscheide gehalten wurde. Der Schmied hatte das Schwert in seinem Leben mehr als nur einmal im Kampfe erheben müssen und war im Umgang mit diesem vermutlich ähnlich geübt, wie im Umgang mit dem Schmiedhammer.
Um seinen Hals hatte er sich einen schwarzen, langen Umhang gebunden, welcher fast auf den Boden reichte. All diese Sachen hatten hier und dort bereits einige Brandflecken, und sahen auch so recht zerschlissen und kaputt aus. McKenwood machte auf seine Mitmenschen zwar einen edlen, doch auch einen recht verwahrlosten Eindruck. Natürlich würde niemand dies laut aussprechen – der letzte Mann, der ihn als „geistesgestörten Bettler“ bezeichnet hatte, hatte diesen Frevel mit seiner Zunge bezahlt.
„Endlich....“ murmelte er zufrieden. Mit einem milden, erschöpften Lächeln schaute sich der Schmied den Dolch an. Er hatte fast die ganze Nacht gebraucht, doch nun war seine Arbeit endlich beendet. Vorsichtig trug er sein Werk - abermals mit Hilfe der Zange - durch den Raum und legte es auf die kleine Stahlplatte zu seiner linken, um ihn dort abkühlen zu lassen.
Schon bald würde die Hitze den Stahl verlassen und eine glänzend-saubere, scharfe und vor allem tödliche Klinge freigeben.
Sein Blick glitt durch die kleine, gemütliche Schmiedstube. Es war eine solide Hütte, aus schweren Steinen gebaut und mit einem alten Holzdach versehen. Die meisten anderen Hütten in diesem Dorf hatten Strohdächer, doch aufgrund der beständigen Hitze in diesem Raum war dies natürlich unmöglich. Selbst die schweren Bretter waren bereits schwarz und verrußt, obgleich sie in einer beachtlichen Höhe lagen. Die Fugen zwischen den massiven, grauen Steinen waren schlecht verputzt und sorgten somit dafür, das der Wind erbarmungslos durch die Stube fegen konnte, wenn er nur stark genug blies. Die Flammen der Feuerstelle in der Ecke hüllten den Raum noch immer in ihr gespenstisches Schattenspiel. Sie schlugen ärgerlich in Richtung Fenster, als wollten sie die Hütte verlassen und sich gierig am Sauerstoff der Wildnis laben. Neben dem Fenster war eine kleine Holzbank, die nur mit einer kleinen, grünen Decke belegt war. Doch trotz dieser eher geringen Ausstattung machte die Schlafstätte McKenwoods bereits einen unordentlichen Eindruck. Direkt neben der Bank stand ein hölzerner Tisch, auf dem sich mittlerweile einige Essensreste aufgetürmt hatten. Kleine Fliegen und Maden machten sich bereits an etwas altem Fleisch zu schaffen, welches sich noch an den Knochen des erlegten Tieres befand. In der Nähe eines zerkratzten Tonkrugs befand sich ein halbgegessener Laib Brot, dessen leicht grünliche Färbung selbst in dem fahlen Licht der Flammen zu erkennen war.
Auf der Gegenüberliegenden Seite des Raumes befanden sich der Amboss und die Ablage, auf welcher sich der Dolch befand. Ansonsten war die Stube eher karg ausgestattet. In der Mitte standen zwei Holzstühle, wobei einer von ihnen bereits keine Lehne mehr hatte, und ein kleiner Waffenständer, in dem McKenwood die fertigen oder restaurierten Waffen aufbewahrte, bis sie jemand kaufte oder abholte. Doch heute befand sich nur eine einzige Waffe dort, ein langes, schmales Schwert- und das gehörte McKenwood selbst. Es war kunstvoll mit einigen unverständlichen Runen verziert, welche sich wie Schlangen um den Griff des Langschwertes wickelten. Dort, wo die verschiedenen Zeichen zusammenliefen befand sich ein perfekt geschliffener, roter Edelstein. Er ähnelte in seiner Art stark dem Dolch, welchen McKenwood vor einigen Minuten abgelegt hatte, er sah ähnlich mystisch aus.
Ein Lächeln umspielte seine rauen, alten Lippen. Diese Waffen waren etwas besonderes. Leise, fast schleichend als würde draußen jemand stehen und ihn belauschen, ging er auf die Feuerstelle zu. Seine knotigen, alten Hände griffen nach dem Sack, welcher an der Wand neben der Feuerstelle lag. Stöhnend zog der Schmied ihn zu sich heran und löste mit seinen kräftigen Händen den Knoten des Strickes.
„Genug für heute....“ sagte er leise zu sich selbst und hob, mit deutlicher Anstrengung, den Sack empor.
Die Hütte war innerhalb von Sekunden in Dunkelheit gehüllt, als die Erde auf das flackernde Feuer trafen. Hier und da züngelten noch einige kleinere Flammen hervor, doch sie reichten bei weitem nicht aus um die Schmiedstube zu erhellen. Schon bald kamen auch die letzten Flammen um.
„Jetzt fehlt nur noch....eine Kleinigkeit!“ sagte er in seiner gewohnt stockenden Art.
In der Finsternis drehte sich McKenwood langsam zu seiner Arbeitsplatte um und schritt auf den Dolch zu, welcher durch den starken Luftzug bereits abgekühlt war. Zitternd griff er nach dem Griff und hob den Dolch empor. Er blieb einige Augenblicke lang so stehen und blickte auf die Schriftzeichen am Griff. Das funkelnde rot des Edelsteines spiegelte sich in seinen alten, trüben Augen wieder.
McKenwood stieß einen tiefen Seufzer aus und schloss die Augen, während er einen tiefen Atemzug durch die Nase machte. Seine Lippen öffneten sich zu einem schmalen Schlitz.
“Nestros...degrige....nestros....elemisa!
Nestros…degrige…nestros…elemisa!”
Seine Stimme bekam einen merkwürdigen Klang als er diese Worte nachsprach, so als würden sie irgendwo wiederhallen. Der Wind draußen tobte nun stärker, er pfiff durch die Lücken des Mauerwerkes und wehte einige hilflose Blätter durch das Fenster in die Hütte hinein. Die faltigen Hände des Mannes zitterten, als würde ein Energiestrom durch sie hindurch fließen.
“Nestros...degrige....nestros....elemisa!
Nestros…degrige…nestros…elemisa!”
Er wiederholte die Worte, dieses Mal etwas schneller. Der Wind peitschte nun regelrecht gegen die Hütte, er durchfuhr die weißgrauen, lichten Haare des Schmiedes und strömte verspielt durch seinen schwarzen Umhang. Er umwehte seine Arme, seine Hände, schlängelte sich um seine Finger- und schien sich um die kunstvoll geschmiedete Schneide des Dolches zu legen. Plötzlich begann der rote, funkelnde Edelstein in der Waffe aufzuleuchten und tauchte die Hütte abermals in ein groteskes, wunderbares Schattenspiel....
Das musste die Hütte des alten Schmiedes sein, kein Zweifel. Xalon bleckte seine gelben Zähne und stieß ein bösartiges Lachen aus, während er den schützenden Schatten des Waldes entgültig verließ und auf das kleine Haus auf der Lichtung zuschlich. McKenwood lebte etwas abseits von den anderen Dorfbewohnern und somit würde ihn niemand bemerken, da war Xalon sich sicher. Und selbst wenn, es würde wohl niemanden kehren, was dem alten Narr wiederfahren würde.
Vor der massiven Eichenholztür stoppte er ein letztes Mal. Ein leichtes, rötliches Schimmern drang durch die Ritzen der Wand und das kleine Fenster auf der Seite der Schmiedstube.
Wahrscheinlich das Feuer! dachte Xalon achselzuckend. Seine Hand legte sich um den Griff der Tür, als er die alte, zittrige Stimme von McKenwood vernahm. Er brabbelte irgendeinen sinnlosen Blödsinn in einer anderen Sprache. Mit seinem Geisteszustand schien es also nicht weit her zu sein, es wäre also einfach ihn zu überlisten. Die Dorfbewohner hatten also recht gehabt.
Verdammt, woher kam nur dieser verdammte Wind? Xalon warf einen misstrauischen Blick nach oben, als eine weitere Böe aus den Wipfeln der Bäume über die Lichtung fegte. Sie war noch kräftiger als die anderen beiden, die er zuvor verspürt hatte. Ein kalter Schauer lief ihm über seinen krummen Rücken, wie eine böse Vorahnung, und er schloss für einen Moment seine schmalen, kranken Augen.
Und plötzlich war alles still. Verwundert öffnete Xalon seine Augen wieder und bemerkte, dass die gesamte Lichtung in Dunkelheit gehüllt war. McKenwoods Stimme war nun nicht mehr zu hören und das Leuchten, welches vor kurzem noch aus allen Ritzen und Spalten der Hütte drangen, war verschwunden.
Wohlmöglich hat dieser Trottel jetzt das Feuer gelöscht und will sich zu Bett begeben! kam es ihm in den Sinn. Ein böses, gestörtes Lächeln, dass eher einem Zucken glich, fuhr über sein vernarbtes Gesicht.
Seine Hand umfasste den Griff nun noch fester. Er atmete tief durch und ließ die andere Hand dann an seinen Gürtel gleiten, um ein kleines, gezacktes Schwert zu zücken. Und dann ging alles sehr schnell.
Mit einem lauten Schrei warf sich Xalon mit ganzer Kraft gegen die Tür des Schmiedes. Das Schloss zerbarst gleich beim ersten Versuch. Damit hatte Xalon nicht gerechnet und er stolperte unbeholfen in die Hütte herein. Er prallte in der Dunkelheit gegen irgendetwas hartes, was kurz darauf mit einem lauten Scheppern zu Boden fiel.
„Was zum Teufel.....“ hörte er McKenwood fluchen. Seine Stimme kam irgendwo von rechts. Blind durch die Dunkelheit und den Schmerz, der ihm durch die Glieder zuckte, wirbelte Xalon herum und stieß seinen Dolch in die Richtung, in der er den Waffenschmied vermutete. Wieder stolperte er einige Schritte nach vorne, als er sein Ziel knapp verfehlte. Er hörte einige Schritte in Richtung der anderen Seite. Er kniff die Augen zusammen und hoffte, so besser seine Umgebung und diesen alten Trottel McKenwood erkennen zu können. Langsam gewöhnte er sich auch an die Dunkelheit und konnte Schemenhaft einige Dinge ausmachen.
„Mistkerl....“
Nur knapp entging Xalon dem wuchtigen Hieb des Schmiedhammers, der daraufhin irgendwo gegen die Hauswand prallte und dabei einige Funken erzeugte. Erschrocken wich Xalon einige Schritte zurück und ließ dabei sogar seine Waffe fallen. Denn nun konnte er zum ersten Mal in seinem Leben die Augen des Schmiedes sehen. Blinde Wut zuckte durch seinen blassen Blick, als er ein weiteres Mal mit dem großen Hammer ausholte. Mit einem Sprung wich Xalon auch diesem Schlag aus, der krachend auf dem Steinboden landete. Dennoch durchzuckte ein heftiger Schmerz seinen Körper, als er nach seinem Ausweichmanöver gegen die scharfkantige Arbeitsplatte stieß. Er riss die Augen auf und rang nach Atem als er spürte, wie unter dem gewaltigen Aufprall eine seiner schmächtigen Rippen zerbarst. Seine Hände glitten zitternd, mehr ziellos als suchend, über die glatte Metallfläche der Platte, als würde eine fremde Kraft sie leiten, bis sie auf den kalten Stahl des Dolches trafen, welchen der alte Schmied dort wieder abgelegt hatte. Xalon umfasste den Griff, seine Knöchel färbten sich weiß unter der ungeheuren Kraft, mit der er seine neue Waffe umfasste. McKenwoods Bewegung hatte sich verlangsamt, er ging nun bedächtig langsam auf ihn zu.
„Du hast deine Waffe verloren...“ sagte er grinsend. Dann wurde sein Blick wieder finster und sämtliche Freundlichkeit, aber auch jegliche Beherrschtheit, entglitt ihm.
„Wer schickt dich, du Mistkerl?“ zischte er.
„Ihr seid es nicht würdig, seinen Namen zu erfahren, McKenwood!“ fauchte Xalon zurück. Mit diesen Worten riss er seinen Arm empor und schleuderte den Dolch auf den alten Schmied. Xalon hatte seine letzten Worte genutzt, um auf sein Opfer zu zielen- und das war ihm erstaunlich gut gelungen. Die kühle Klinge bohrte sich direkt in den verschrumpelten Hals des Schmiedes. Ein leises Gurgeln aus seiner Kehle drang in die Stille des Raumes, die Augen des alten Mannes weiteten sich vor Entsetzen und sein Hammer fiel mit einem lauten Poltern auf den Boden. Er taumelte benommen zur Seite und stützte sich gegen die nackte Steinwand, während unter einem weiteren gequälten Laut dunkles, warmes Blut aus seinem Mundwinkel lief und sich an seinem Kinn zu einem großen Tropfen sammelte.
Seine Hände bewegten sich langsam zu der glatten Schneide, welche immer noch in seiner Kehle steckte.
Ein heißer Blutschwall schoss aus der Wunde als McKenwood den Dolch entfernte. Mit einem Klirren fiel die blutverschmierte Waffe zu Boden, während der Mann an der Wand langsam in sich zusammen sackte. Das Letzte, was der Schmied in seinem langen Leben sah, war, wie der mit seinem Blut besudelte Mörder sich das Langschwert aus dem umgestürzten Waffenständer schnappte und es nach kurzem Betrachten lächelnd in Beschlag nahm.
„Dieses....und der Dolch....die sieben Klingen werden schon bald vereint sein!“
Was weiß der Mann über das Geheimnis dieser Waffen? Wieso...tut er das?
Dies waren die Gedanken, welche durch McKenwoods Kopf schossen als er seine Augen für immer schloss und er endlich von den qualvollen Schmerzen befreit wurde....
Aglas drückte sich an die kalte Steinwand seiner kahlen Steinhütte. Sein Atem ging flach, nahezu komplett lautlos. Seit Stunden schon beobachtete er jetzt den Eingang der hell erleuchteten Taverne, hatte ein gutes Dutzend von betrunkenem Pöbel hinein- und hinaustaumeln sehen. Doch der Mann, auf den er wartete, hatte die Stätte seines Abendmahls noch nicht verlassen.
Xalon hatte seine Aufgabe gewiss längst ohne größere Schwierigkeiten erfüllen können, der alte Kenwood war letzten Endes nichts weiter als ein schwächlicher, alter Narr der unter Verfolgungswahn litt.
Nun lag es also an ihm, das Vorhaben seines Herrn zu vollenden und diese Waffe an sich zu nehmen. Neben Xalon und ihm selbst wurden zudem noch vier weitere Männer entsandt, sie alle wurden auf verschiedene Opfer, zumeist bürgerliche, angesetzt.
Alle mit dem selben Ziel: Auffinden und entwenden der „Waffe mit dem eingearbeiteten, roten Kristall“ und dann den Tatort ohne Spuren hinterlassen – dies bedeutete somit auch, den Besitzer der Waffe zu beseitigen.
In einer Zeit wie dieser, wo Hunger und Krankheit das Land in seinem kalten, bitteren Griff hatte, und der Bruder des Schlafs mit jeder neuen Morgensonne zuschlagen konnte, war das Verschwinden eines Bürgers aus dem Pöbel wesentlich unauffälliger, als die Meldung einer gestohlenen, wertvollen Habseeligkeit.
Einzig einen der Männer hatte das schwere Los ereilt, einen Magier und Priester aus dem gehobenen Stand als Zielperson zu haben – und für diesen Auftrag hatte der Meister absichtlich seinen besten Mann geschickt.
Doch sein bester Mann war, wie auch Xalon oder Aglas, nichts weiter als gewöhnliches Diebesgesindel von der Straße, welches der Gebieter unter seine Fittiche genommen und ausgebildet hatte.
Aglas war ein junger Mann, Ende zwanzig, mit schütterem, schwarzem Haar, welches allerdings vor lauter Staub und Dreck leicht grau wirkte. Er hatte blasse, trübe Augen und trug ein Gewand, das komplett aus zähem Leder bestand, nur mit einigen Schnüren zusammengehalten.
Er verlor vor fünf Jahren bei einem Aufstand im Dorf seine gesamte Familie, als ein übereifriger Krieger des Kaisers mit seinem Schwert seine geliebte Frau durchbohrte. Als wäre dies noch nicht genug Pein für seine Seele, wurde sein 4-jähriger Sohn nur wenige Minuten später von den aufgebrachten Pferden der berittenen Truppen zu Tode getrampelt. In einer Wut, die nur ein Mann kennen kann, der mit einem Mal seinen gesamten Existenzsinn verliert, verfolgte er den Mörder seiner Frau und sein Gefolge. Seine vor Zorn schier glühende Klinge beendete das Dasein dreier Männer, bevor er selbst niedergestreckt wurde. Im Irrglauben er sei tot ließ man ihn liegen.
Doch dann war alles anders, er trat der „Verbindung“ bei. Damals wurde er von Dienern seines heutigen Herren auf der Straße aufgelesen und zum Gebieter gebracht, der niemand anders war als.....
...“Auf bald, Freny!“
Die schrille Stimme des betrunkenem Gesocks im Gasthaus riss ihn aus seinen Erinnerungen. Der Gestank von Alkohol und getrocknetem Erbrochenem drang aus den Steinmauern des Wirtshaus und erfüllte die nebeligen Gassen der Stadt.
Schon von weitem konnte Aglas die Streitaxt auf dem Rücken des Mannes, der soeben die Schenke verließ, ausmachen. Ein düsteres, nahezu zufriedenes Lächeln blitzte über seine rauen Lippen als er sein Opfer sah.
Freny war ein Zwerg. Kleine, dickbäuchige Unterbemittelte. Er würde die Kehle dieses widerlichen Säufers schneller durchgeschnitten haben, als er gedacht hatte.
Schon bald hatte der graue, fahle Nebel die Umrisse des Zwergs in sich aufgenommen und leise wie eine Katze schlich Aglas hinter ihm her.

